Schutz von Mensch und Umwelt

  Das Textilreiniger Handwerk hat in den letzten Jahren durch verstärkte Umweltschutzauflagen einen erheblichen Wandel erfahren: FCKW als Lösemittel wurde verboten, für Perchlorethylen wurden verschärfte Grenzwerte in den Maschinen und außerhalb der Betriebsräume eingeführt.  Alternative Lösemittel (Kohlenwasserstoff-Lösemittel - KWL) und neue Reinigungsmethoden (Nassreinigung) haben bereits einen höheren Stellenwert bekommen und die Kenntnisse der Beschäftigten über die Gefahren beim Umgang mit Betriebsstoffen und Maschinen haben sich deutlich verbessert.  Erhebliche Investitionen und Umstellungen waren aber auch in praktisch allen Betrieben notwendig, um diesen Anforderungen gerecht zu werden und den Betrieb zukunftssicher zu gestalten und zu führen.  

Lösemittel

Richtiger Umgang mit PER und KWL

Die Textilpflege mit Lösemitteln ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken, sind doch viele hochwertige Textilien nicht mit Wasser waschbar. Die Auswirkungen der eingesetzten Lösemittel auf die Umwelt, auf die Nachbarschaft, auf den Kunden und die Arbeitnehmer müssen aber so gering wie möglich gehalten werden, um ein negatives Image zu vermeiden und Kunden zu halten.  So wie das Perchlorethylen (chemischer Name: Tetrachlorethen) in feines Gewebe und Filzmaterialien eindringt, um die Verschmutzungen zu entfernen, dringt es außerhalb geschlossener Anlagen auch durch andere poröse Materialien wie Beton und Stein und wandert so in Nebenräume, in den Boden und die Umwelt; es kann sich so z.B. in fetthaltigen Lebensmitteln anreichern. So gut die Maschinen- und Anlagentechnik auch immer sein mag - ein sehr sorgsamer Umgang mit diesem Gefahrstoff bleibt daher nach wie vor die Pflicht aller Beschäftigten in Textilreinigungsbetrieben.  Die Kosten, die freigesetzte Lösemittel bei ihrer Beseitigung z.B. aus dem Boden oder dem Grundwasser oder bei der Entsorgung kontaminierter Lebensmittel mit sich bringen, können den Betrieb leicht in seiner Existenz gefährden; sie werden gemäß dem Verursacherprinzip dem Reinigungsbetrieb auferlegt.

Nachbarschaftsschutz

In betriebsfremden Nebenräumen zu Textilreinigungsbetrieben gilt für Perchlorethylen ein außerordentlich niedriger Grenzwert von 0,1 mg/m3. Ist dieser Wert überschritten, muss der Betreiber des Reinigungsbetriebs innerhalb von sechs Monaten auf eigene Kosten nicht nur Abhilfe schaffen, sondern auch die Einhaltung des Grenzwerts nachweisen! Eine Ausstattung derjenigen Wände und Decken des Betriebsraums, die an Wohnungen oder Lebensmittelbetriebe angrenzen, gegen die Wanderung von Perchlorethylen-Dämpfen (Diffusion) ist eine weitere Vorschrift der 2.B1mSchV. Dies geschieht mit geeigneten Isoliertapeten oder -farben bzw. auch mit hinterlüfteten Wänden und Decken.


B
etrieb

Immissionsschutz

Die Beladetür aller mit PER = Tetrachlorethen (C2C14) arbeitenden Maschinen darf erst geöffnet werden können, wenn in der Trommelluft der Grenzwert von 2 g/m3 oder 290 ppm unterschritten ist. Dabei darf die Ware in der Trommel nicht kälter als 35° C sein.  Die Konzentration muss durch ein Messgerät an der Maschine nachgewiesen werden, das die Beladetür entriegelt.

Dieses Messergebnis "gilt" bei einem Luftstrom der Trocknungsluft von nicht mehr als 5 m3 pro Stunde und Kilogramm maximales Beladegewicht der Maschine; bei größerem Trocknungsluftstrom muss das Messgerät den gemessenen Konzentrationswert hochrechnen.

Für offene (ausblasende) Anlagen gilt ein weiterer Grenzwert, und zwar für die Konzentration in der austretenden Luft : 20 mg/m3.  Da Reinigungsanlagen sehr unterschiedliche Abgasdrücke und -Temperaturen haben, muss diese Konzentration nach der Messung auf 0° C und Normaldruck von 101,3 kPa umgerechnet werden. Die Einhaltung dieser Anforderungen ist einmal jährlich durch ein zugelassenes Messinstitut zu überprüfen.  Diese sog.  "Messstellen" nennt Ihnen die zuständige Umweltbehörde, das Landesumweltamt bzw. das Umweltministerium Ihres Bundeslandes.  Die Abgaskonzentration von offenen Anlagen muss der Reiniger darüber hinaus täglich mit Messröhrchen überprüfen - falls diese nicht auch durch einen Messcomputer mit Zwangsabschaltung der Maschine gemessen wird.

Auch für KWL-Anlagen werden in Zukunft als Umsetzung europäischen Rechts Messverpflichtunge und Grenzwertanforderungen gestellt. Dabei darf ein Wert von 20 g Gesamt-Lösemittel-Emission pro kg gereinigter und getrockneter Ware nicht überschritten werden.

PER darf in Textilreinigungen außerhalb der Reinigungsmaschine nicht verwendet werden.  Zugelassene Hilfsmittel zur Entfernung von Flecken (Detachiermittel) enthalten daher diese Substanz nicht. Der PER-Destillationsschlamm darf aus der Maschine nur in einer geschlossenen Vorrichtung entnommen werden. Dies geschieht zumeist mittels einer Schlammpumpe im Gaspendelverfahren; nur bei wenigen Maschinentypen wird der Schlamm in einen geschlossenen Behälter abgelassen und dieser dann in ein Schlammfass entleert. Auch die Befüllung mit frischem Perchlorethylen darf nur emissionsarm, d.h. in der Regel im Gaspendelverfahren, durchgeführt werden.


Die Reinigungsanlage

Aufzeichnungen und Lecksuche

In der 2. BimSchV ist gefordert, dass in den mit Perchlorethylen betriebenen Reinigungen die Verantwortlichen Aufzeichnungen über das Gewicht der gereinigten Ware und über die Betriebsstunden führen müssen. Eine Waage für das Reinigungsgut ist also im Betrieb unbedingt vonnöten.  Weiterhin müssen die Mengen an Lösemitteln, die den Anlagen zugeführt werden (auch durch lmprägnierungs- und Textilausrüstungsmittel) sowie die Mengen an Destillationsschlamm, die der Anlage entnommen werden, aufgezeichnet werden.  Die tägliche Lecksuche an Dichtungen, Flanschen, Schaugläsern, Türen und Klappen ist gesetzliche Pflicht.  Sie sollte bei Perchlorethylen-Anlagen mit einem elektronischen Lecksuchgerät vorgenommen werden, bei KWL-Maschinen reicht eine Sichtkontrolle. Sie ist außerdem schriftlich festzuhalten.


Schutz der Arbeitnehmer

Sachkunde

Gemäß 2.BimSchV und VBG 66 dürfen Textilreinigungsmaschinen nur in Anwesenheit eines Sachkundigen betrieben werden.  Dies gilt auch für Münz-Anlagen, die der Kunde selbst be- und entlädt.  Die Sachkunde gemäß VBG 66 können Sie in einem Lehrgang erhalten, der von einem zugelassenen Unterrichtsträger durchgeführt wird. Welche Institute zugelassen sind, erfahren Sie von der Berufsgenossenschaft Textil und Bekleidung oder von Ihrer zuständigen Innung oder Kreishandwerkerschaft.

Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin

Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten am Arbeitsplatz zu sorgen.  Hierzu gehört auch die Betreuung des Betriebs durch einen Arbeitsmediziner und eine Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der Textilreiniger ist bei der Berufsgenossenschaft Textil und Bekleidung, Augsburg, versichert. In der VBG 122 "Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit" ist den Textilreinigern die Möglichkeit gegeben, aufgrund ihrer Sachkunde nach VBG 66 die arbeitssicherheitstechnische Betreuung im sog. "Unternehmermodell" selbst durchzuführen. Die arbeitsmedizinische Betreuung gemäß der VBG 123 "Betriebsärzte" müssen der Arbeitgeber aber vertraglich mit einem Arbeitsmediziner regeln.  Einzelheiten dazu erfahren Sie von der Berufsgenossenschaft Textil und Bekleidung.

   
Energie und Wasser

Sparen beim Energie- und Wasserverbrauch - aber wie ?

Die Preise für die immer knapper werdenden Güter wie Trinkwasser oder Energie werden mittelfristig sicher ansteigen.  Rechtzeitige Planung auf diesem Gebiet hilft daher bei der zukunftssicheren Gestaltung des Betriebs ebenso wie Planung der Anlagentechnik oder der Arbeitsplatzgestaltung. Trinkwasser ist schließlich ein zu wertvolles Gut, um es zu Kühlzwecken zu nutzen.Technische Möglichkeiten zur Kühlwassereinsparung sind in Form von Kühltürmen seit langem bekannt und werden auch eingesetzt.  Nur sind weder die Wasserdampfbildung bei kalter Witterung noch der Geräuschpegel in der Nachbarschaft immer gern gesehen, so dass in Betrieben mit Wohnungen im direkten Umfeld andere technische Wege beschritten werden müssen. Es bietet sich hier z.B. die Speicherkühlanlage an, bei der das erwärmte Kühlwasser z.T. aufgefangen und als Speisewasser für Waschmaschinen wiederverwendet wird.  Die Temperatur des restlichen Kühlwassers kann dann mit Nachtstrom über einen Luftkühler abgelenkt werden.  Somit spart man außer dem Kühlwasser auch einen Teil der Heizenergie der Waschmaschinen. Beim Energieverbrauch sollte man sich die Wärmedämmung von Dampfleitungen, die Dichtheit der Druckluftleitungen und die Beleuchtungseinrichtung einmal genauer ansehen - hier können mit wenig finanziellem Aufwand schon Kosten eingespart werden.  Eine Optimierung der Heiz- und Dampferzeugungssysteme, eine Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung, bessere Wärmeisolation oder Wärmedämmung der Betriebsräume sind Punkte, deren Amortisation zumeist deutlich längere Zeiträume in Anspruch nimmt.

 

(Quelle - auszugsweise -: "Umweltschutz-Tipps für Textilreiniger." ZEWU der Handwerkskammer Hamburg und Umweltbundesamt.)